Aufklären über das Lipödem – „Wir sind so kurvig, weil wir krank sind“
Anika Schimmelpfennig und Kerstin Radicke haben es satt: die abschätzigen, missbilligenden Blicke, die verletzenden Kommentare, die Geringschätzung, der sie allenthalben begegnen. „Ja“, sagen die beiden Frauen – eine wie die andere schlagfertig, humorvoll, selbstironisch – , „wir sind kurvige Frauen. Aber wir sind es nicht, weil wir beim Essen nicht Maß halten können oder keinen Sport treiben, wir sind es, weil wir krank sind.“
Anika Schimmelpfennig aus Erfurt und Kerstin Radicke aus Weimar leiden am Lipödem, einer vererbten chronischen Fettverteilungsstörung, bei der die Extremitäten deutlich voluminöser als der Rumpf sind. „Selbst wenn ich mich bis ans Ende meines Lebens nur von Reiswaffeln und Wasser ernähren würde, würde sich daran nichts ändern“, sagt Kerstin Radicke. Keine Diät der Welt würde sie von ihrem Leiden befreien. Denn die Fettzellen, die bei gesunden Menschen allenfalls erbsen-, bei Lipödem-Kranken aber tischtennisballgroß sind, würden davon weder verschwinden noch sich anders verteilen.